„Schaut man in den Jugendbereich, werden es immer weniger und vor allem immer großflächigere Spielgemeinschaften“, sagt Hans Herrmann, zweiter Vorsitzender des 1. FC Hersbruck. Doch gerade dieser Unterbau sei wichtig, um in Zukunft weiterhin eine erste Mannschaft für den regulären Spielbetrieb bilden zu können. Mit Blick auf diese Entwicklung wurde Herrmann und Christian Stingl, Fußballchef beim SV Altensittenbach, bewusst, dass man in der Stadt gemeinsame Sache machen und zusammenhalten müsste. Denn: „Tradition ist längst keine Erfolgsgarantie mehr“, weiß Stingl.
Und so fing es vor zwei Jahren mit einer gemeinsamen D-Jugend der beiden Vereine an. „Unser Ziel war es, dass wieder leistungsorientiert gekickt wird“, blickt Herrmann zurück, um an die Zeit der damaligen Bezirksliga-Mannschaft des FC Hersbruck anzuknüpfen, die überwiegend aus Eigengewächsen bestand. „Aber dazu muss man die Kräfte in der Stadt bündeln“, stimmen Herrmann und Stingl überein. Also ging es mit einer gemeinsamen C-Jugend weiter, nun ist auch eine E-Truppe geplant, verraten sie.
Bei den Kleinsten laufe Fußball irgendwie noch von selbst: „Wir haben 40 Kinder in der G-Jugend“, berichtet Herrmann begeistert. Spätestens ab den C-Junioren werde es schwerer, denn neben den Kindern würden sich auch die Eltern nicht mehr so engagieren. Daher brauche es neue Anreize und Perspektiven, gerade bei den Älteren, um sie an die Heimatvereine in Hersbruck und Altensittenbach zu binden. „Aus der A- und B-Jugend, die wir mit Sittenbachtal haben, kommen auf Sicht 14 bis 15 Spieler raus, denen muss man bei uns was anbieten“, macht Stingl klar.
Das soll nun ein neues Projekt der beiden Fußballclubs schaffen: eine Spielgemeinschaft aus Altensittenbach und der Hersbrucker Reserve ab der neuen Saison. „Die Zusammenarbeit bei der Jugend lief gut und daher stehen alle hinter der Idee“, betonen die beiden, die sich selbst als Motivatoren dieser Sache sehen. Selbst von eingefleischten Fans seien positive Rückmeldungen zu dieser Kooperation gekommen, berichten Herrmann und Stingl durchaus etwas überrascht. „Es haben alle verstanden, dass es der richtige Schritt ist“, meint Stingl.
Sportlicherseits gehe es darum, das fußballerische Potential in Hersbruck von der Jugend bis zu den Herren zu bündeln, aber ausdrücklich nicht zu fusionieren, unterstricht Stingl: „Wir müssen jetzt den Unterbau für später legen.“ Doch hinter der Zusammenarbeit steckt noch mehr. „Die geht ja auch in die Vereinsarbeit rein, also bei Events und im Ehrenamt“, erklärt Herrmann. Und Stingl denkt zudem an die Möglichkeit, dass zwei Sportgelände zur Verfügung stehen: „Wenn unser Platz zum Beispiel unter Wasser steht, können wir zum FC raus.“
Hauptort der neuen SG SV Altensittenbach/1. FC Hersbruck II ist aber Altensittenbach, da der Sportverein die Federführung der Spielgemeinschaft übernimmt. „Die Spiele werden wieder sonntags daheim beim SVA stattfinden“, sagen die beiden. Geführt wird die vereinsgemischte Truppe von FC-Urgestein Michael Pfann und Mario Engelhardt, ehemals Coach der SpVgg Weigendorf/Hartmannshof. „Er ist super engagiert und motiviert und als neutrale Person perfekt für ein neues Projekt“, lobt Stingl.
Trainiert wird übrigens zusammen mit der „Ersten“ des FC sowie mit der A-Jugend: „Es sollen ja alle zusammenwachsen“, betonen die beiden. Daher ist auch eine gemeinsame SG-Kleidung mit beiden Wappen vorgesehen. Herrmann und Stingl ist bewusst, dass das Projekt eine Herausforderung wird und auch Risiken berge: „Das ist eine blutjunge Mannschaft, die ihr Lehrgeld zahlen wird.“ Gerade deswegen hätten die beiden Vereinsführungen auch kein Saisonziel ausgegeben: „Es gilt für die Jungs, eine stabile Runde zu spielen und im zweiten Jahr dann wettbewerbsfähig zu sein“, führt Stingl aus.
Antreten wird die neue Spielgemeinschaft in der A-Klasse Erlangen/Pegnitzgrund, denn dort war der SV Altensittenbach als federführender Verein beheimatet. „Für uns ist die Frage, ob wir es schaffen, die Jugend in den nächsten fünf Jahren so heranzuführen, dass wir einen guten Stamm für diese SG und die „Erste“ haben“, formuliert Hans Herrmann den Anspruch. Die Spielgemeinschaft sei nicht auf nur eine Saison angelegt, wie sonst oft, sondern ein „Projekt für die Zukunft“.
Am Samstag, 30. Mai, lädt die neue Spielgemeinschaft zum offenen Training um 18 Uhr beim SV Altensittenbach ein; Spieler beider Vereine sowie interessierte Kicker sind willkommen.
HZ 29.05.2026












